Bea Meyer
SCHIESSEN UND IN DIE MITTE TREFFEN
16.1. - 13.2.2009
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2010, Galerie b2_

#6
2010, 160 x 120 cm
rote Nähte auf transparentem Gewebe
#4
2010, 55 x 50 cm
verschiedene Bänder & Stoffe auf Baumwollgewebe
#11
2010, 200 x 65 cm
lila Samt & metallicgrünes Kunstleder auf Georgette
#17
2010, 85 x 65 cm
blauer Hutdraht auf Baumwollgewebe
#15
2010, 140 x 125 cm
rote Modellbaufarbe auf Papier & Gewebe
07
2010, 50 x 70 cm
schwarzes Stickgarn auf Baumwollgewebe
SCHIESSEN UND IN DIE MITTE TREFFEN
Aufforderung oder abgeschlossene Tat? Ist der Handlung expliziter Wille vorausgesetzt oder wird das Zentrum eher beiläufig getroffen? Die von Bea Meyer als Titel übernommenen Worte stellen den beschriebenen Tatbestand als selbstverständlich und dessen Ergebnis als scheinbar nebensächlich dar. Das Ziel wird nicht näher definiert als durch eine räumliche Angabe. Wo befindet sich denn die Mitte von etwas? Wer schiesst? Auf wen oder was wird geschossen? Mit was und warum wird überhaupt geschossen?
Bea Meyer zeigt eine Serie von Bildern, die sich mit dem Strich an sich als Form des Ausdrucks beschäftigen. Stapelweise hat Meyer Zeichnungen gesichtet, um letztendlich wenige einzelne als Vorlagen auszuwählen. Oft ist auf dem Papier der Vorlage nicht mehr zu sehen als Strichstärke, Farbigkeit, Duktus und deren Lage. Meyer beginnt die Strichführungen zu manipulieren und zu materialisieren. Sie vergrößert um ein vielfaches. Striche werden Material, Fläche und Gegenstand auf gespannten Textilien. Meyer dekonstruiert den Strich und schafft dadurch Bilder, die ihre Entstehungsgeschichte verweigern.
Die Künstlerin bezeichnet diese Arbeiten selbst als Übertragungen. In den für sie typischen zeit- und arbeitsintensiven Techniken schafft sie in Tagen Bildträger, deren Vorlagen nur in Sekunden entstanden sind. Mit subtiler Sicherheit im Umgang mit Materialitäten nutzt Bea Meyer spielerisch deren Charakter für ihre Bildinhalte: Garne, Kajal, Samt, Leder, Draht, Farbe, Marker. Am Grad zwischen Bildgegenstand, Abstraktion, Proportion und Materialität verdichtet sie Minimales zu großen Formaten.
In der aktuellen Ausstellung thematisiert sie den Schaffensprozess der Kunst selbst. Sie nutzt Vorlagen, die in einer bestimmten, frühen Entwicklungsphase des menschlichen Gehirns entstanden. Impuls, Wille, Intuition und Können setzen sich darin anders zusammen, als beim ausgebildeten Künstler, der sie selbst ist und der eben diese Vorlagen aus der so genannten Krakelphase ihrer beiden Kinder überträgt. Mit diesem Vorgehen schafft Bea Meyer eine Serie abstrakter Bilder, in denen zwei ganz unterschiedlich gesteuerte Schaffensprozesse auf verblüffende Weise zusammentreffen.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation von Bea Meyer (Bild), Martina Hefter (Text) und Anna-Lena von Helldorff (Gestaltung).
Aim, shoot and hit dead centre
Is this a call for action or the description of an action completed? Is an action’s explicit intent a precondition or is the ‘centre’ struck in passing? In Bea Meyer’s exhibition title, the facts described appear self-evident and their consequences nonessential. The aim is referred to elliptically as a position in space. Where, we are left to ask, is the (dead) centre of something? Who is shooting? And who or what is being aimed at? And what is being shot with, and why?
This series of pictures by Bea Meyer deals with the expressive qualities of the line. The works are based on a selection of designs culled by the artist from piles of drawings in which there was often little more on the paper than lines of varying thickness, the structural traces of colour and rough compositional outlines. Meyer then proceeded to manipulate and materialise the individual lines. By greatly magnifying the drawings, lines become material entities and physically spatial on the stretched fabric: Meyer deconstructs the line to create images that mystify their origin and how they evolved.
The artist refers to these works as ‘transpositions’: in typically time-consuming and intricate techniques, Meyer creates images based on designs that are rendered in only a few seconds. Responding with sensitive confidence to a range of different materialities she playfully exploits the characteristic textures and properties of thread, eyeliner, velvet, leather, wire, paint and marker pen as the subject matter of her images. Dealing with issues of proportion and material, Meyer hypostatizes the minimal in large images that hover between the representational and abstraction.
Based on designs indicative of the inchoate stages in the development of the human brain, these works deal with the intrinsic processes of making art. In contrast to works by trained artists, here, impulse, will, intuition and aptitude interact differently: Bea Meyer, a trained artist herself, transposes drawings by her two children from what is commonly referred to as the scribble phase. This approach enables the artist to create a series of abstract images in which two entirely separate processes of expression converge – to surprising effect.
A catalogue by Bea Meyer (images), Martina Hefter (text) and Anna-Lena von Helldorff (layout) will be published to accompany the exhibition.
Translated from the German by Oliver Kossack
Bea Meyer
CLAIM
1.10. - 15. 11. 2009
RAUMMODELLE Intervention #1, BAUHAUS Dessau
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»Utopia is a perfect social system in which everybody is satisfied and happy«
CLAIM
2009, 1500 x 8 cm,
Absperrband mit Text, handgewebt, schwarz beschriftet
barrier strip, handwoven, black labled
Bea Meyer
MAMA, AUS SPASS BIN ICH JETZT MAL EINE FRAU
22. 3 - 26. 4. 2008
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2008, kjubh Kunstverein Köln
o.T.
2008, Klebeband auf Papier, 163 x 100 cm
o.T.
2008, Klebeband auf Papier, 163 x 100 cm
o.T.
2008, Kugelschreiber und Gewebeband auf Papier, 120 x 94 cm
o.T.
2008, Samt auf Papier, 154 x 92 cm
o.T.
2008, Filzstift auf Papier, 132 x 98 cm
o.T.
2008, Filzstift auf Papier, 178 x 117 cm
o.T.
2008, Glitzergelstift auf Papier, 244 x 98 cm
"Das Private ist politisch" - das allgegenwärtige 68er-Jubiläum hat auch diese Parole wieder ins Gedächtnis gerufen: die Ansage der Frauen an ihre männlichen Genossen, deren revolutionärer Furor zu gerne vor der eigenen Haustür Halt gemacht und es in punkto Rollenverteilung lieber beim Alten belassen hätte. Sie bildete den Auftakt einer neuen feministischen Bewegung, die sich die Gleichstellung von Mann und Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen - und damit waren auch die privaten Verhältnisse gemeint - auf ihre Fahnen schrieb. Schnee von gestern also? Oder nicht eher Zeit für
ein Re-enactment1?
Wenn Bea Meyer in ihrer jüngsten Arbeit unter anderem daran erinnert, dass
Frauen nach wie vor über ein Viertel weniger verdienen als Männer, ist das
nicht als eine Bilanz vierzig Jahre nach diesem Auftakt zu verstehen. Der Anlass
ist ein gänzlich gegenwärtiger: ein spontaner Ausspruch ihrer Tochter. Dieser
ist, nimmt man ihn beim Wort, ganz auf der Höhe zeitgenössischer Gendertheorie.
"Frau sein" und "Mann sein" - das ist ein Stück, das wir tagtäglich
aufführen, ein Stück, in dem wir tagtäglich vorführen, was "Frau sein" und
"Mann sein" bedeutet. Nur, dass es für uns Erwachsene kein "Spass" mehr
ist, die binäre Rollenzuteilung längst erfolgt, das Drehbuch wenig Raum für
Improvisation lässt und eine gänzliche Verweigerung nur möglich ist um den
Preis, am Rand zu stehen. Bea Meyer macht die Probe aufs Exempel - sie rechnet
durch, was es im Ernstfall heißt, in der Frauenliga zu spielen. Zum Beispiel
eine höhere Lebenserwartung, aber zur Zeit eben auch eine etwa fünfmal geringere
Wahrscheinlichkeit, im Ranking der hundert Top-Künstler aufzutauchen. Es geht
Meyer jedoch nicht um die Übermittlung trockener Statistik, die man ebenso
gut woanders nachlesen könnte. Daten werden neben Icons, Farbsymboliken und
Zitaten ebenso in Spiel gebracht wie verschiedene Bereiche visueller Rhetorik
- Werbeanzeigen, Filmplakate, Schultafeln - und eine Bandbreite von Darstellungstechniken
- Zeichnen, Ausmalen, Stempeln, Markieren, Schreiben -, um diese künstlerisch
produktiv zu machen. Entstanden sind dabei individuell gestaltete Displays,
die scheinbar Bekanntem durch Kombination und Bearbeitung eine Drehung versetzen
und unsere eingefahrenen Wertungen ins Wanken bringen. So etwa, wenn man einem
berühmten Machospruch des Autorenfilmer-Gotts Godard - "alles, was man für
einen Film braucht, ist ein Revolver und ein Mädchen" - als altbackener Geschirrtuchweisheit
wiederbegegnet. "Ich bin froh, ein Mann zu sein" - wie eine Strafarbeit
ließ Meyer diesen Satz von einigen Männern aus ihrem Umfeld auf eines ihrer
Plakate schreiben (gnädigerweise nur jeweils einmal!). Ein Statement, für das
sich nach wie vor gute Gründe finden. "Girls can wear jeans/And cut their hair
short/Wear shirts and boots/cause its o.k. to be a boy/But for a boy to look
like a girl is degrading/cause you think that being a girl is degrading [...]" 2 ,
auch die postfeministische Ikone Madonna ist sich der Hierarchien bewusst,
die das Genderspiel immer noch beinhaltet. In der Liste der Umschreibungen,
die der "Volksmund" für Frauen kennt, tauchen jede Menge herabsetzender
Bezeichnungen auf - eine Auswahl davon hat Meyer in großen leeren Buchstaben
aufgezeichnet. Für die noch nicht alphabetisierte Tochter von Meyer sind sie
bisher nichts als Leerforme(l)n, die sich bunt ausmalen lassen. Die Arbeiten
ihrer Mutter, denen Juni gewissermaßen ihren Stempel aufgedrückt hat - über
jedes Bild der Reihe ist ihr Ausspruch gedruckt - beschreiben nicht einfach
einen Zustand. Sie sind vielmehr performativ in dem Sinne, dass sie einen Beitrag
dazu leisten, festgefahrene Bedeutungen in Bewegung zu setzen. Sie sind auf
eine Zukunft gerichtet, in der einem der Spaß, Frau zu sein, nicht manchmal
zu vergehen droht; in der Jungs, um es noch einmal mit Madonnas Song zu formulieren,
ihr Begehren zu wissen "how it feels like for a girl" nicht mehr verstecken
und die Mädchen nicht ihre innere Stärke, und in der die Häufung von Karrierefrauen
mit mehreren Kindern, wie auf einem von Meyers Plakaten, keine Irritationen
hervorruft und schnell als Fiktion entlarvt ist. Und in dem das "doing gender" ein
freiwilliges Spiel mit möglicherweise
auch mehr als zwei attraktiven Rollen sein wird.
Text Susanne Holschbach
1 Üblicherweise verbindet man mit Re-enactment das Nachstellen bzw.
Wiederaufführen
von historischer Ereignissen, im juridischen Kontext hat es die Bedeutung
von "wieder-in-Kraft- setzen".
2 Madonna: "How it Feels for a Girl",
aus dem Album "Music", Maverick/Warner Bros. 2000
"The private is political" - the ubiquitous anniversary of the 1968 student revolts
has given this slogan a new lease of life: the call of the women challenging
their male comrades who, in their revolutionary fervour, would have loved to
stop at their own doorstep and leave things just the way they were as far as
role allocation went. The slogan launched a new feminism that pleaded for gender
mainstreaming in all areas of society - and this meant in private life as well.
All water under the bridges now? Or rather time for a re-enactment?1
When Bea Meyer, in her latest work, reminds us that women still earn a quarter less than men, then it is not to be understood as a form of taking stock forty years later. Her motivation is much more current: a spontaneous utterance by her daughter. This, if one were to take it literally, can be read entirely in the context of contemporary gender theories. "Being a woman" and "being a man" - this is a play we daily perform, a play in which we daily enact what "being a woman" and "being a man" means. For us adults, however, it's no longer a matter of "fun", the binary allocation of roles has long taken place, the script leaves little room for improvisation and an outright denial is only possible at the price of marginalisation. Bea Meyer puts the rule to the test - she evaluates what it means, in all seriousness, to play in the women's league. Yes, a higher life expectancy, for instance, yet currently also five times less of a chance of being ranked among the top 100 artists. But Meyer does not merely want to present dry statistics that could just as much be checked elsewhere. Data is configured alongside icons, colour symbolism and quotations together with various forms of visual rhetoric - advertisements, film posters, blackboards - and a whole spectrum of artistic techniques - drawing, painting, stamping, marking, writing - to achieve works that are aesthetically productive. What emerges are displays individually designed which, through combination and adaptation, give an entirely new twist to what we thought we knew and make us doubt our entrenched set of values. It's as if we were confronted with the film-god Godard's famous macho motto - "all you need for a movie is a girl and a gun" - as a dowdy piece of household wisdom.
"Ich bin froh, ein Mann zu sein" (I am happy to be a man) - Meyer had several
men from her circle of friends write this sentence like extra homework during
school detention on one of her posters (leniently only once per person!). Words
for which good reasons can still be found. "Girls can wear jeans / and cut their
hair short / Wear shirts and boots / 'cause its o.k. to be a boy / But for a
boy to look like a girl is degrading / 'cause you think that being a girl is
degrading [...]"2: even Madonna, the post-feminist icon, is very aware of the
hierarchies still present in gender play. Long is the list of derogatory expressions
among colloquial euphemisms for women - and Meyer chose some, tracing them in
large, hollow letters. For Meyer's still illiterate daughter they are nothing
but empty contours to colour in brightly. Juni has, so to speak, left her mark
on her mother's works - her quote is printed on every image of the series - but
these do not merely describe a condition or state. They are rather more performative
in the sense that they arouse fixed preconceptions. They look towards a future
in which the joy of womanhood does not threaten to disappear sometime, in which
guys, to use the lyrics of Madonna's song, don't hide their desire to know "how
it feels like for a girl" and the girls don't hide their inner strength, and
in which the group of career women with children, as in one of Meyer's posters,
is neither seen as a provocation, nor quickly unmasked as a fiction; and, finally,
in which the act of "gender-making" becomes a voluntary game in which there might
also be more than two attractive roles.
Translation Ariane Kossack
1 Re-enactment is usually understood as a re-play or a re-performance of historic
events yet, in a legal sense, it implies "bringing something back into force
or effect".
2 Madonna: "How it Feels for a Girl", from the album Music, Maverick/Warner
Bros. 2000.
ROT ⁄ WEISS ⁄ HOCKEN ⁄ HEIM
9.9. - 14.10.2006
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ROT / WEISS / HOCKEN / HEIM
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ELLA
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